NEUES ALTES

Nachhaltigkeit, Nostalgie, Sparsamkeit, Entdeckerfreude


20.07.26 Ein sehr alter Trend bricht sich nun langsam, aber sicher, auch auf der Marzahner Promenade Bahn. Am 4. Juli zum Tag der offenen Promenade, gab es hier den ersten Flohmarkt. 


Es war kein "offizieller" Flohmarkt mit langjährigen Händlern und richtigen Standgebühren.

Es sollte nur ein selbstgebackener Kuchen mitgebracht werden für das Publikum des Tages. Organisiert wurde er auch nicht von einem Flohmarktprofi. Katty Geißler; Leiterin des Tanzstudios Outfaced, hatte diesen Einfall und übernahm dafür auch die Regie.

Dass es am Nachmittag anfing zu regnen, war für das Flohmarkt-Geschäft erst einmal nicht förderlich, doch die kleinen und großen Händler blieben standhaft. Ein gutes Ohmen für die Zukunft. 

Ob und wie weitere Flohmärkte auf der Promande einmal Tradition werden könnten, wird noch diskutiert. Es gibt vieles dabei zu beachten, vor allem viel Bürokratie. 

Der Gedanke des unkomplizierten Besitzerwechsels von Gebrauchtem ist allerding auch auf der Promenade nicht neu.

Neben dem lanjährig ansässigen Marzahner An- und Verkauf und dem Kleidertausch in der UnbezahlBar stellen auch immer mehr Anbieter ein Tischchen mit Bildern, Büchern, Geschirr oder einen Ständer mit gebrauchter, gut erhaltener Kleidung vor die Tür.

Manches zum kostenlosem Mitnehmen, manches für eine Spende, manches für wahrlich kleines Geld. 


Fotos: Yvonne Grüneberg, Uta Baranovskyy





Flohmärkte – Schatzsuche zwischen Nostalgie, Nachhaltigkeit und Neuanfang

Früher waren Flohmärkte vor allem Treffpunkte für Trödelfans und leidenschaftliche Sammler. Heute sind sie viel mehr als das. Sie spiegeln unsere Gesellschaft wider – mit all ihren Gegensätzen zwischen Überfluss und Mangel, Wegwerfen und Wiederverwenden, Sparen und Sammeln.

Der Ursprung der Flohmärkte reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Als einer der ältesten gilt der Pariser Marché aux Puces, der Ende des 19. Jahrhunderts entstand. Seinen Namen – wörtlich übersetzt „Flohmarkt“ – verdankte er den gebrauchten Möbeln und Kleidungsstücken, in denen sich gelegentlich tatsächlich noch Flöhe versteckt hielten. Längst sind Flohmärkte weltweit zu beliebten Treffpunkten geworden, auf denen ausrangierte Dinge ein zweites Leben erhalten.




In Deutschland erleben Flohmärkte seit einigen Jahren einen regelrechten Boom. Das hat viele Gründe. Steigende Lebenshaltungskosten veranlassen viele Menschen, beim Einkauf genauer hinzusehen. Warum ein neues Fahrrad kaufen, wenn ein gut erhaltenes Gebrauchtes nur einen Bruchteil kostet? Weshalb teures Kinderspielzeug neu anschaffen, wenn es nach wenigen Monaten ohnehin wieder zu klein oder uninteressant geworden ist?

Doch nicht nur Käufer profitieren. Viele Verkäufer nutzen Flohmärkte, um Keller, Dachboden oder Garage zu entrümpeln und dabei die Haushaltskasse aufzubessern. Was für den einen nur noch Ballast ist, wird für den anderen zum lang gesuchten Lieblingsstück.








Besonders spannend wird es für Sammler. Alte Schallplatten, Bücher, Kameras, Briefmarken, Münzen oder Spielzeug erzählen Geschichten vergangener Jahrzehnte. Manchmal verbirgt sich zwischen Kisten voller Alltagsgegenstände sogar ein kleines Stück Kulturgeschichte – oder ein unerwarteter Schatz.

Gleichzeitig haben Flohmärkte eine ökologische Dimension bekommen. Während jedes Jahr Millionen Tonnen gebrauchsfähiger Gegenstände entsorgt werden, setzt der Second-Hand-Gedanke bewusst auf Wiederverwendung statt Wegwerfmentalität.

 Wer Gebrauchtes kauft, spart Ressourcen, vermeidet Müll und verlängert die Lebensdauer von Produkten – ganz ohne komplizierte Klimadebatten.



Doch Flohmärkte sind nicht nur Handelsplätze. Sie sind auch soziale Orte. Hier wird gehandelt, gefachsimpelt und gelacht. Man kommt ins Gespräch, tauscht Erinnerungen aus und entdeckt oft Dinge, die man längst vergessen glaubte.

 Eine Schallplatte weckt Kindheitserinnerungen, eine alte Kaffeemühle erinnert an die Großeltern, ein Spielzeugauto lässt die eigene Jugend wieder aufleben.

In einer Zeit, in der vieles mit wenigen Klicks anonym im Internet bestellt wird, bieten Flohmärkte etwas, das Online-Shopping kaum ersetzen kann: das Erlebnis des Suchens und Findens. Man weiß nie, was hinter dem nächsten Stand wartet. Genau diese kleine Portion Überraschung macht ihren besonderen Reiz aus.

Vielleicht sind Flohmärkte deshalb heute aktueller denn je. Sie verbinden Nachhaltigkeit mit Nostalgie, Sparsamkeit mit Entdeckerfreude und Menschen unterschiedlichster Generationen miteinander.

Zwischen alten Büchern, Porzellan, Werkzeugen und Spielzeug wird deutlich: Nicht alles, was gebraucht ist, hat ausgedient. Manches beginnt genau dort ein neues Kapitel.



Viel Neues auch auf Instagram und Youtube

Copyright © 2026 Marzahner-Promenade.berlin
created by 3-w-media.de