SCHAUFENSTER-BUMMEL DES MONATS

Max Mustermann. Ohne Ziel. Einfach schauen.


31.07.26 Max Mustermann hat heute Zeit. Das Wetter ist angenehm, die Sonne meint es gut. Also beschließt er, einfach mal wieder über die Marzahner Promenade zu schlendern. So richtig mit Schaufensterbummel. Ohne Einkaufsliste. Ohne Ziel. Einfach schauen.


Dabei ist Max nicht mehr der Jüngste. Während er langsam an den Geschäften vorbeigeht, tauchen Erinnerungen auf. Ende der 1980er-Jahre war die Marzahner Promenade eine der beliebtesten Einkaufsstraßen des jungen Großbezirks.

Wer hier entlanglief, sah volle Schaufenster mit Mode, Schuhen, Haushaltswaren, Spielzeug oder Büchern. Vor den Geschäften herrschte Betrieb.

Die Menschen bummelten, trafen Bekannte oder standen geduldig an, wenn es gerade etwas Besonderes zu kaufen gab. Die Promenade war damals das Schaufenster Marzahns.

Heute sieht vieles anders aus.

Max bleibt vor einem Schaufenster stehen. Nanu? Statt einer sommerlichen Schaufensterdekoration klebt dort ein Schild: „Hunde müssen draußen bleiben.“ Im nächsten Fenster liest er: „Wir haben dies und das im Angebot.“ Gleich daneben: „Bin kurz mal weg.“ Und zwei Türen weiter informiert ein sorgfältig laminierter Zettel: „Urlaub vom ... bis ...“

"Na gut", denkt Max, "wenigstens weiß ich jetzt, wo die Hunde nicht hin dürfen und wer gerade nicht da ist."

Die Zeiten haben sich eben geändert. Aus der einstigen Einkaufsmeile ist nach und nach eine lebendige Dienstleistungsstraße geworden. Hinter den Türen arbeiten heute Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen, Berater, Physiotherapiepraxen, Tanzschulen, Sportstudios, Reisebüros oder soziale Einrichtungen. Vieles, was heute auf der Promenade passiert, spielt sich eben nicht im Schaufenster, sondern dahinter ab.


Die Marzahner Promenade wird nach ihrer Fertigstellung gesellschaftlicher Mittelpunkt des Stadtbezirkes sein. Über 50 Geschäfte entstehen vor allem in den Erdgeschossen der Wohnhäuser. Auch Dienstleistungs- und Kultureinrichtungen fanden und finden hier ihren Platz. Charakteristisch für die rund zwei Kilometer lange Straße sind abgeschrägte Ecken, Kolonaden an den Häusern sowie helle und bunte Fassaden.

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1987-1111-013 / Zimmermann, Peter / CC-BY-SA 3.0

Fotos: Uta Baranovskyy

Plötzlich entdeckt Max einen großen Spiegel im Fenster.

Er bleibt stehen.

„Wie sehe ich eigentlich aus?“

Nach einem kurzen prüfenden Blick richtet er unauffällig den Kragen.

„Geht noch.“

Ach, Moment – hier gibt es ja Brillen! Vielleicht war der Spiegel gar keine Selbstfindungsübung, sondern schlicht Werbung.

Vor vielen Geschäften stehen inzwischen liebevoll bepflanzte Kübel. Manche leuchten in bunten Sommerblumen, andere überraschen mit Tomaten, Kräutern oder sogar kleinen Gemüsepflanzen. Offenbar wächst auf der Promenade nicht nur das Dienstleistungsangebot.

Weiter geht der Spaziergang.

An den großen Mosaiken bleibt Max jedes Mal gern stehen. Sie erzählen noch immer ein Stück Geschichte des Stadtteils. Davor blühen Rosen in kräftigen Farbenb, ein paar Schritte weiter schneeweiße Hortensien. Gerade im Sommer zeigt sich die Promenade von ihrer schönsten Seite.

Sport? Heute lieber nicht.

Tanzen? Vielleicht im nächsten Leben.

Eine Reise buchen? Das Sofa zu Hause liegt eindeutig näher.

Und ein maßgeschneidertes Korsett? Max beschließt, dass seine Figur inzwischen langjährige Gewohnheitsrechte besitzt.

Allenfalls die neue Hose könnte demnächst einmal gekürzt werden.

Zum Glück gibt es auf der Promenade genügend Möglichkeiten, sich zu stärken. Max gönnt sich ein Eis, setzt sich auf eine Bank und beobachtet das Treiben. Kinder flitzen vorbei, ältere Paare unterhalten sich, jemand eilt mit einer Einkaufstasche Richtung Straßenbahn.

„Eigentlich“, denkt Max und nimmt den letzten Löffel seines Eises, „ist so ein Schaufensterbummel auch ohne viele Schaufenster ganz nett.“

Und vielleicht schaut er heute Abend zu Hause trotzdem noch die nächste Folge seiner Netflix-Serie. Aber erst, nachdem er sich vorgenommen hat, bald wieder einmal einfach nur über die Promenade zu schlendern. Denn manchmal sind es gerade die kleinen Entdeckungen am Wegesrand, die einen Spaziergang besonders machen.













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