Hortensien – Blütenpracht mit bewegter Geschichte
09.08.26 Der Platz unter dem Friedens-Mosaik hat keinen eigenen Namen, könnte aber im Sommer durchaus Hortensienplatz heißen. Sowohl vor dem Restaurant "Van Lang" als auch gegenüber in der stufigen Rabatte leuchten die riesigen weißen Blütenköpfe.
Kaum eine Zierpflanze prägt Gärten und Parks im Sommer so eindrucksvoll wie die Hortensie. Mit ihren großen, kugel- oder tellerförmigen Blütenständen und ihrer erstaunlichen Farbenvielfalt zählt sie zu den beliebtesten Gartenpflanzen Europas. Doch ihre Geschichte reicht weit über heimische Blumenbeete hinaus und verbindet Botanik, Kultur und Symbolik auf mehreren Kontinenten.
Eine Pflanze aus Ostasien und Amerika
Die Hortensie (Hydrangea) gehört zur Familie der Hortensiengewächse (Hydrangeaceae). Weltweit sind rund 70 bis 80 Arten bekannt. Ihre ursprünglichen Verbreitungsgebiete liegen vor allem in Ostasien – insbesondere in Japan, China und Korea – sowie in Teilen Nord- und Südamerikas.
Die heute in europäischen Gärten am häufigsten anzutreffende Bauernhortensie (Hydrangea macrophylla) stammt ursprünglich aus Japan. Bereits dort wurde sie seit Jahrhunderten als Zierpflanze kultiviert. Im 18. Jahrhundert gelangten erste Exemplare nach Europa, wo Botaniker und Gärtner zahlreiche neue Sorten züchteten. Heute existieren mehrere Tausend Zuchtformen in unterschiedlichen Farben, Wuchsformen und Blütengrößen.
Warum heißt sie Hortensie?
Der botanische Gattungsname Hydrangea stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „Wassergefäß“. Er setzt sich aus den Wörtern hydor (Wasser) und angeion (Gefäß) zusammen. Die Bezeichnung weist sowohl auf die Form der Samenkapseln als auch auf den hohen Wasserbedarf der Pflanzen hin.
Der deutsche Name „Hortensie“ geht vermutlich auf eine Frau namens Hortense zurück. Über ihre Identität gibt es verschiedene Theorien – eindeutig geklärt ist die Namensgebung bis heute nicht.
Ein Farbenspiel aus der Chemie
Besonders faszinierend ist die Fähigkeit vieler Hortensien, ihre Blütenfarbe zu verändern. Rosa blühende Sorten können unter bestimmten Bedingungen intensiv blau werden.
Entscheidend dafür ist der Boden. In sauren Böden mit einem pH-Wert unter etwa 5,5 wird Aluminium für die Pflanze verfügbar. Dieses Metall verbindet sich mit den Farbstoffen der Blüten und erzeugt die charakteristische blaue Färbung. In neutralen oder kalkhaltigen Böden bleibt dieselbe Sorte meist rosa oder rötlich.
Weiße Hortensien verändern ihre Farbe dagegen nicht, da ihnen die entsprechenden Farbpigmente fehlen.
Mehr als nur schöne Blüten
Botanisch betrachtet bestehen die auffälligen Blütenbälle größtenteils aus sogenannten Scheinblüten. Die großen farbigen Blätter sind umgewandelte Kelchblätter und dienen vor allem dazu, Insekten anzulocken. Die eigentlichen fruchtbaren Blüten sitzen meist unauffällig im Inneren der Blütenstände.
Viele moderne Sorten blühen mehrere Monate lang und verändern ihre Farbintensität im Verlauf des Sommers. Selbst im Herbst behalten die Blüten oft einen dekorativen Charakter und trocknen zu attraktiven Naturdekorationen.
Fotos: Uta Baranovskyy
Unterschiedliche Bedeutungen weltweit
Die Symbolik der Hortensie ist von Land zu Land verschieden.
Japan
In Japan besitzt die Hortensie einen besonders hohen Stellenwert. Dort steht sie häufig für Dankbarkeit, Aufrichtigkeit und aufrichtige Gefühle. Einer alten Legende zufolge soll ein Kaiser seiner Geliebten Hortensien geschenkt haben, um sich für lange Vernachlässigung zu entschuldigen. Während der Regenzeit verwandeln riesige Hortensienbestände Tempelanlagen und Parks in farbenprächtige Landschaften und ziehen jedes Jahr zahlreiche Besucher an.
China
In China gilt die Hortensie traditionell als Symbol für Harmonie, Wohlstand und familiären Zusammenhalt. Aufgrund ihrer üppigen Blütenfülle wird sie außerdem mit Überfluss und Glück verbunden.
Europa
In vielen europäischen Ländern steht die Hortensie vor allem für Schönheit, Eleganz und Dankbarkeit. Im viktorianischen England erhielt sie allerdings teilweise eine andere Bedeutung: Dort verband man sie gelegentlich mit Eitelkeit oder übertriebenem Stolz – vermutlich wegen ihrer auffallend großen Blüten. Diese Deutung spielt heute jedoch kaum noch eine Rolle.
Frankreich
In Frankreich entwickelte sich die Hortensie bereits im 19. Jahrhundert zu einer beliebten Gartenpflanze. Besonders in der Bretagne prägt sie bis heute zahlreiche Gärten und Straßenzüge. Dort gilt sie vielerorts als Sinnbild für Sommer und traditionelle Gartenkultur.
Ein Paradies für Gärtner
Hortensien bevorzugen humusreiche, nährstoffreiche und gleichmäßig feuchte Böden. Direkte Mittagssonne vertragen viele Sorten nur schlecht. Besonders beliebt sind heute Bauernhortensien, Rispenhortensien, Schneeballhortensien, Tellerhortensien und Kletterhortensien, die jeweils unterschiedliche Standortansprüche und Wuchsformen besitzen.
Moderne Züchtungen zeichnen sich durch eine lange Blütezeit, hohe Winterhärte und vielfältige Farben aus. Dadurch eignen sie sich sowohl für große Parks als auch für kleine Hausgärten oder Kübel auf Balkon und Terrasse.