HOFFNUNG

Der blaue Handschuh zwischen Ebbe und Flut


14.08.26 Seit Monaten liegt ein einsamer blauer Handschuh im Hof des Freizeitforums. Einstmals war er ein Arbeitshandschuhe und zusammen mit seinem Handschuhpartner an den Händen eines fleißigen Handwerkers im Hof sehr aktiv. 


Das war im vergangenen Jahr. Wochenlang wurde geschuftet, um den alten Fliesenboden zu entfernen, bereit zu machen für neuen Fliesenglanz. Er war dabei, als es hier mittels Arbeitsgeräten nur so krachte, brummte und staubte.

Dass die Bibliothek hinter den großen Fensterscheiben zum Hof hin unter seinem Wirken etwas litt, störte ihn nicht.

Er hatte seine Bestimmung gefunden und war ganz in seinem Element. Diese Arbeitseuphorie dauerte so lange, bis er sich eines Tages vor vielen Monaten allein mitten im Hof liegend fand. Sein Partner war weg, seine wirkende Arbeitshand ebenfalls. 

Ab und an glimmte leise Hoffnung auf, wieder mitarbeiten zu können. Immer dann, wenn Arbeitsmaterial in den Hof gestellt wurde, dann wieder weggenommen, wenn Schubkarren von einem Standort zum anderen geschoben wurden.

Er war bereit. Man müsste ihn nur wieder anziehen, dann ginge es los. Doch es ging nicht los.

Achtlos blieb er liegen. Noch war er geschützt von Wind und Wetter, denn über dem Hof war eine Schutzplane für die Arbeiter gezogen worden.

Irgendwann vor Wochen war die weg. Jetzt wurde es für den blauen Handschuh ungemütlich. Die Sonne brannte auf ihn ein, sein Material wurde mürbe. Dann goss es in Strömen, er wurde pitschnass und quoll auf. Und das im stetigen Wechsel.

Was der einzige aktive Wechsel in diesem Hof war und ist. Mal lag er in einer Regenwasserpfütze, mal brannte ihn die Sonne durch.

Seinen Traum aber verlor er nie. Eines Tages, so hofft er heimlich in seinem blauen Handschuhherzen, wird er wieder für die Bestimmung genutzt, für die er erschaffen war.

 





Fotos: Uta Baranovskyy





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