50 Touren führten sie schon durch rund 1200 Straßen
25.08.26 Als Renate Zimmermann Anfang 2026 in den Ruhestand ging, wollte sie vor allem eines verhindern: dass ihre Tage plötzlich ohne Plan verstreichen.
Die ehemalige Bibliothekarin aus Marzahn-Hellersdorf entwickelte deshalb einen ungewöhnlichen „Job“ für sich selbst: Sie wollte alle Straßen Berlins zu Fuß kennenlernen.
Bis Ende vergangenen Jahres arbeitete sie in der Mark-Twain-Bibliothek. Dann ging sie in Rente. Doch seit Januar ist sie regelmäßig unterwegs. Sie läuft nicht einfach los, sondern bereitet ihre Touren wie kleine Forschungsreisen vor. Welche Geschichte steckt hinter einer Straße? Welche Gebäude, Menschen und Besonderheiten gibt es dort? Welche Bibliothek oder Buchhandlung liegt am Weg? Alles wird anschließend fotografiert, recherchiert und in ihrem Blog dokumentiert. https://renate-zimmermann.com/
Begonnen hat Zimmermann im äußersten Südwesten Berlins. Steglitz-Zehlendorf war ihr bewusst gewählter Startpunkt, weil dieser Bezirk von ihrem Heimatbezirk am weitesten entfernt liegt. Nach sieben Monaten ist dieser erste große Abschnitt nun abgeschlossen: 50 Touren führten sie durch rund 1200 Straßen des Bezirks. Aus der anfänglichen Idee ist inzwischen ein umfangreiches persönliches Stadtarchiv geworden.
Dabei entdeckt Zimmermann nicht nur bekannte Sehenswürdigkeiten. Gerade die unscheinbaren Straßen interessieren sie. Hinter einem Straßennamen kann eine historische Persönlichkeit stecken, hinter einer Häuserzeile eine vergessene Geschichte, hinter einem Garten ein Stück Berliner Stadtentwicklung. Immer wieder entstehen unterwegs auch spontane Begegnungen.
Das Projekt passt damit erstaunlich gut zu ihrem früheren Beruf. Die Bibliothekarin hat ihre Recherchearbeit einfach aus dem Gebäude hinaus auf die Straße verlegt. Berlin ist für sie zur Bibliothek geworden – nur dass die Bücher hier Häuser, Straßen, Plätze und Menschen sind.
Das ungewöhnliche Vorhaben hat inzwischen auch über die Stadtwanderungen hinaus Aufmerksamkeit bekommen. Beiträge erschienen unter anderem im rbb, Deutschlandfunk Kultur, Tagesspiegel, B.Z. und in der Berliner Morgenpost.
Nach Steglitz-Zehlendorf geht es weiter. Zimmermann will sich systematisch von West nach Ost durch Berlin arbeiten.
Wie lange das dauern wird, ist offen. Auch die Frage, ob aus dem Projekt einmal ein Buch entsteht, steht noch im Raum. Sicher ist nur:
Für Renate Zimmermann ist der Ruhestand kein Rückzug aus der Welt geworden, sondern ihr bisher größtes Erkundungsprojekt.