VÖGEL

Nun ist also der Pferdemangel schuld


15.10.26 Es ist nicht direkt eine Empfehlung. Aber wer etwas für den rapiden Rückgang der Spatzenpopulation in Berlin tun will, sollte sich ein Pferd zulegen. Oder wenigstens ein Pony. Bild KI

Rund 190.000 Brutpaare des Haussperlings gab es nach Angaben der Berliner Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft (BOA) 2021 in der Stadt. Seither sind die Bestände drastisch gesunken, nämlich um 70 Prozent. Forscher stehen vor einem Rätsel. Der Naturschutzbund berichtet vom „freien Fall“ der Spatzenbestände in der Stadt. „Und das Schlimme ist: Wir wissen immer noch nicht, was die Ursache ist.“

Ansteckende Krankheiten (sogenannte Plasmodien) wurden auch nicht nachgewiesen. Auch vermehrte Angriffe anderer größerer Vögel (Krähen, Dohlen) sind nicht belegt.

Berlin gilt als Spatzenhauptstadt Deutschlands. Weltweit bedroht ist die Art nicht.

Doch jetzt hat der weltweit renommierte Forscher Glenn-Peter Sætre eine interessante Theorie vorgelegt. Er sagt dazu in der SZ:

„Eine wesentliche Rolle für die Ernährung von Spatzen spielten die Pferde. Es gibt die These, dass die Spatzen mit den Menschen der Jamnaja-Kultur kamen, die vor etwa 5000 Jahren aus der Steppe nördlich des Schwarzen Meeres nach Mitteleuropa vordrangen, zusammen mit dem Pferd. Am Ende bin ich bei einem weiteren Szenario gelandet, das Elemente aus anderen Szenarien enthält. Für die Ausbreitung könnte das Pferd eine recht direkte Rolle gespielt haben, eine Art Trittstein zwischen menschlichen Siedlungen. Wenn Pferde Getreide gefressen haben, enthalten die Pferdeäpfel aufgequollene Körner, die den Verdauungstrakt überstanden haben und dabei für Spatzen leichter verdaulich geworden sind. Man kann das mit unserem Kochen vergleichen: Das Pferd hat sie gewissermaßen vorverarbeitet. Für Spatzen ist das Superfood.“




Viele Ökologen sind besorgt, weil der Rückgang der Spatzen an sehr vielen Orten geschieht, vor allem in Europa. Schon als sich das Automobil durchsetzte und Pferdekutschen verdrängte, brachen die Bestände teils drastisch ein. In London bekamen Autos den Spitznamen „Sparrow Starver“, Spatzen-Aushungerer. Sie fanden nicht mehr genug Nahrung, weil weniger Pferdemist in den Straßen lag. 

Nun liegt bekanntlich noch weniger Pferdemist auf den Straßen als zu Zeiten der Erfindung des Autos. Warum sich der Bestand der Spatzen gerade jetzt dramatisch reduziert hat, ist noch immer nicht bekannt. Forscher Sætre zieht ein persönliches Fazit: „Wir mögen diese Vögel in unserer Nähe, sie bereichern unsere Umgebung. Ich persönlich wünsche mir, dass die Spatzen überleben und gedeihen.“

Obwohl Spatzen früher fast als Plage galten, gelten sie heute in vielen Städten – auch in Berlin – als gefährdet. Gründe:

  • Versiegelung von Flächen (weniger Insekten & Nistplätze)
  • Sanierungen ohne Nistmöglichkeiten
  • Mangel an Nahrung durch sterile Gärten und Monokulturen

Daher stehen Haussperlinge in Deutschland mittlerweile auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Brutvögel.

Berliner können Spatzen unterstützen durch:

  • Anbringen von Nistkästen
  • Wildblumen & insektenfreundliche Gärten
  • Kein Einsatz von Pestiziden
  • Ganzjährige Wasserstellen
  • Und sich ein Pony kaufen.

Viel Neues auch auf Instagram und Youtube

Copyright © 2026 Marzahner-Promenade.berlin
created by 3-w-media.de