Eine Stunde - Die Weltzeit bekommt mehr Spielraum
25.10.26 Eine Stunde mehr oder weniger - was macht das schon. Zumindest können wir ab heute wieder eine Stunde länger schlafen. Und auch sonst hat es mit der Uhrzeit in sich. Bild: KI
Atomuhren und Erdrotation laufen nicht immer im gleichen Takt. Eine internationale Reform soll künftig verhindern, dass winzige Zeitkorrekturen Computersysteme und technische Netze aus dem Gleichgewicht bringen.
Die Weltzeit bekommt mehr Spielraum: Vertreter von 69 Ländern haben auf der Generalkonferenz für Maß und Gewicht in Versailles beschlossen, die Regeln für die koordinierte Weltzeit (UTC) zu ändern. Künftig darf sie um bis zu eine Stunde von der astronomischen Zeit abweichen. Ab dem 20. Mai 2027 soll zudem eine fortlaufende koordinierte Weltzeit gelten.
Hinter der Reform steckt ein Problem, das im Alltag kaum auffällt, für Technik aber große Bedeutung hat. Atomuhren messen die Zeit äußerst präzise. Die astronomische Zeit orientiert sich dagegen an der Erdrotation. Da sich die Erde nicht vollkommen gleichmäßig dreht, weichen beide Zeitangaben mitunter voneinander ab.
Eine Sekunde kann Systeme ausbremsen
Bislang durfte die Differenz höchstens 0,9 Sekunden betragen. Wurde diese Grenze erreicht, konnte eine Schaltsekunde eingefügt werden. Seit 1972 geschah das 27-mal, zuletzt Ende 2016.
Nun könnte erstmals der umgekehrte Fall eintreten: Weil sich die Erde zuletzt zeitweise schneller gedreht hat, könnte eine Sekunde aus der Weltzeit entfernt werden müssen. Eine solche Minus-Schaltsekunde gab es bisher nicht. Fachleute schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass sie bis 2035 erforderlich wird, auf etwa 30 Prozent.
Solche Korrekturen sind für technische Systeme heikel. Computer, Telekommunikationsnetze, Stromversorgung und Satellitennavigation sind auf zuverlässige Zeitangaben angewiesen. Als 2012 eine Schaltsekunde eingefügt wurde, kamen laut der britischen Zeitung The Guardian einige Computersysteme mit der zusätzlichen Sekunde nicht zurecht. Server froren ein oder fielen aus. Eine negative Schaltsekunde könnte noch größere Schwierigkeiten verursachen, weil entsprechende Abläufe in Software häufig nicht getestet wurden.
Eine Stunde statt einer Sekunde
Mit der neuen Regelung wird die zulässige Abweichung zwischen koordinierter Weltzeit und Erdrotation von bisher 0,9 Sekunden auf eine Stunde erweitert. Damit sollen die Zeitkorrekturen seltener und technische Störungen unwahrscheinlicher werden.
Eine Abweichung von einer ganzen Stunde dürfte nach Einschätzung von Fachleuten allerdings erst in mehreren Jahrhunderten relevant werden. Die Reform schafft somit vor allem langfristig mehr Spielraum für eine stabile, weltweit genutzte Zeitmessung.