Sie ließ sich den linken Arm mit Blumenmotiven, den rechten mit Mandalas, den Rücken mit zwei Vögeln, das rechte Bein mit einem großen Löwen mit blauen Augen stechen.

Auf dem linken Bein ist bisher nur eine Schleife, aber das wird sich sicher bald ändern. Auf dem Dekolletee ist neben Blumenranken auch der Satz zu lesen: „I will go my way“, übersetzt: Ich werde meinen Weg gehen.

Den Satz ließ sie sich vor Jahren stechen und so deutlich sichtbar, um ihr alleiniges Recht auf den eigenen Weg und eigenen Körper und das eigene Lebensgefühl zu verdeutlichen.

Mit so vielen deutlich sichtbaren Tattoos ist das zunächst nicht so einfach mit der Reaktion aus der Umwelt. Sie erlebte schon, dass Menschen sie deswegen „schief“ ansehen oder verständnislos ansprechen.

Immerhin arbeitet Cathleen Pankalla als Friseurin in einem kundenorientierten Beruf mit vielen Menschen. Seit 11,5 Jahren ist sie jetzt im Friseursalon „Haar2O2“ in der Marzahner Promenade 46 angestellt. Doch die vielen Stammkundinnen und -kunden haben sich an die bebilderte Friseurin gut gewöhnt.

„Für mich sind diese vielen Tattoos nichts Besonderes“, meint Cathleen Pankalla. Es gehöre zu ihr und inzwischen würde der Satz auf ihrem Dekolletee auch lauten: Ich gehe meinen Weg. Die Natur ihres Körpers ist nicht nur mit Bildern verändert.

Sie ließ sich auch den Busen richten, die Lippen mit Hyaluron auffüllen, ein Piercing auf die Oberlippe setzen, auch die Wimpern sind künstlich. Bisher kostete sie diese individuelle Verbesserung, auch Optimierung genannt, ca. 10 000 Euro.

Mit ihrem eigenwilligen Weg ist Cathleen Pankalla aber nicht allein. Wie in einer Spiegelreportage zu lesen ist, boomt das Geschäft mit der Schönheit weltweit.

Rund 200 000 Schönheitsoperationen werden allein in Deutschland pro Jahr vorgenommen.

Während sich die Menschen hierzulande am häufigsten für Brustvergrößerungen unters Messer legen, lassen sich die Iraner meistens die Nase, die Amerikaner die Falten und die Asiaten die Augenlider operieren.

Die bewusste Veränderung des Körpers ist allerdings keine Neuzeiterscheinung. Die ältesten bekannten Tätowierungen wurden auf zwei etwa 5351 Jahre alten Mumien in Oberägypten gefunden.

Die weibliche Mumie trug an der rechten Schulter und auf dem Rücken dunkle Tätowierungen, eine winklige Linie und vier s-förmige Zeichen in einer Reihe. Die männliche Mumie trug auf dem rechten Oberarm zwei gehörnte Tiere, einen großen Stier und ein mächtiges Mähnenschaf.

Der Satz: "I will go my way" würde heute lauten: "I go my way". 

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