MENSCHEN

Alexander Schwarz: Abschied und Neuanfang


03.08.25 Seit Jahren spielt Alexander Schwarz beim Theater INTAKT des Freizeitforums in vielen interessanten Rollen mit. Nun aber nimmt er Abschied aus Marzahn und zieht nach Hamburg. Die Redaktion wollte mehr über ihn wissen.


Welchen Beruf übst du aus, wenn du nicht Theater machst?
Ich arbeite im Willy-Brandt-Haus der SPD als Mitarbeiter in der Dialogkommunikation des Parteivorstandes.

Ich habe ganz viel mit Menschen zu tun – ganz verschiedenen: jungen und alten, Leuten, die sich gut auskennen, und Neulingen; Menschen, die unsere Sprache perfekt sprechen, obwohl sie vorher ganz woanders zu Hause waren, und solchen, die die Sprache gerade erst lernen.

Wie kamst du zum Theater?
Das war eigentlich ganz witzig: Ich habe in meiner Ausbildungsstätte, dem Annedore-Leber-Berufsbildungswerk in Britz, ein Plakat gesehen, das die Neugründung einer Theatergruppe ankündigte.

Obwohl ich keinerlei Ahnung vom Theater hatte, liebte ich es schon immer, zuhause beim Schauen von „Die Schöne und das Biest“ das Biest mit viel Inbrunst nachzuspielen.

Unser Theaterpädagoge war einfach klasse, hat uns viel beigebracht und tolle Stücke interpretiert, die unser Theater auch über das BBW hinaus bekannt gemacht haben – zum Beispiel mit „Der Ja-Sager und der Nein-Sager“ von Bertolt Brecht. Damit sind wir in Schulen in Marzahn-Hellersdorf, im Willy-Brandt-Haus in Berlin und in norddeutschen BBWs aufgetreten.





Und wie zum INTAKT TheaterEnsemble?
Das war ein langer Weg nach der Ausbildung. Ein ehemaliger Kollege und ich hatten Blut geleckt und gründeten im Theaterhaus-Mitte-Berlin eine eigene Theatergruppe.

Wir waren zu dritt: Arvid, Marlon und Alexander, und nannten uns AMA. Mit kleinen Stücken, die kritisch das Leben mit Behinderung beleuchteten, wie „NORMAL!?!“, traten wir an vielen Orten in Marzahn-Hellersdorf auf – zum Beispiel beim Fest „Schöner leben ohne Nazis“, in Behindertenwerkstätten und sogar einmal beim Erntefest in Alt-Marzahn.

Später haben wir auch Puppentheater ausprobiert: Mit selbstgebastelten Puppen spielten wir auf der Straße, bei der Bunten Tour, am Theaterplatz in Hellersdorf oder in Kitas, Schulen und einmal beim Sommerfest im Freizeitforum Marzahn (FFM). Dort hat mich Birgit Letze-Funke angesprochen.


Was fasziniert dich daran, als Schauspieler auf der Bühne zu stehen?
Wenn ich ehrlich bin, ist es auch ein bisschen Selbsttherapie. Früher in der Schule hatte ich Panik, wenn gefragt wurde, ob ich beim Theater mitspielen möchte.

Später habe ich erkannt: Wenn ich mich in eine andere Figur hineinversetze, kann ich Selbstsicherheit finden – und so ist es bis heute.

Ich habe gelernt, mich in unterschiedlichsten Situationen zu fokussieren und dadurch Selbstbewusstsein zu entwickeln. Für einen Menschen mit Behinderung ist das kein Automatismus.

In den früheren gesellschaftskritischen Stücken bei AMA fühlten wir uns großartig: Wir gaben einer oft übersehenen Gruppe von Menschen eine Stimme und boten anderen eine neue Perspektive darauf, wie schwer der Alltag manchmal sein kann.

Das habe ich nie verloren. Auch beim INTAKT-Theater hatten selbst die Märchenstücke – wenn man genau hinschaut – immer kleine Spitzen zum Alltag der Menschen.



Du schreibst auch selbst?
Ja, seit etwa acht Jahren habe ich die Freude entdeckt, meine Fantasie aufs Papier zu bringen und auszuleben.

Ich bin Mitglied einer Schreibwerkstatt und habe schon Romane, kleinere Geschichten – die ich meiner Familie zu Festtagen schenke – und neuerdings auch Märchen geschrieben.

Womit beschäftigen sich deine Texte?
Der Fokus liegt auf Fantasygeschichten, aber ich lasse mich auch von Alltagsbegegnungen und -situationen inspirieren. Beziehungen zwischen den Figuren spielen eine wichtige Rolle; manchmal haben die Geschichten auch kriminalistische Züge.

Manchmal scheint es mir wirklich so, als würden Geschichten auf der Straße liegen oder in einem Bild im Museum stecken.
Und zugegeben: Manchmal kommen mir auch verrückte Ideen beim Filmeschauen.



Womit beschäftigst du dich in deiner Freizeit? Was liegt dir am Herzen?
Abgesehen vom Theater bin ich – auch durch mein Elternhaus – ein ziemlich politischer Mensch. Ich mache mir viele Gedanken über Frieden in der Welt, zwischen Völkern und Menschen. Eine Geschichte, die mich seit meiner Kindheit begleitet, ist Erich Kästners „Die Konferenz der Tiere“.

Ansonsten fahre ich gern Fahrrad, verbringe viel Zeit mit meiner Familie, gehe ins Theater und in die Oper, lese und schreibe – und spiele auch mal das eine oder andere Computerspiel.



Das Gespräch führte Birgit Letze-Funke

Fotos: Theater Intakt, privat


Wie lange bist du Mitglied des Theaterensembles INTAKT im Freizeitforum?
Seit 2017, nachdem mich Birgit Letze-Funke beim Sommerfest des FFM angesprochen hat bin ich dabei.

Was ist das Besondere für dich an dieser Theatergruppe?
Wir verstehen uns richtig gut – es ist für mich ein bisschen wie eine zweite Familie. Die Rollen, die ich spielen durfte, waren immer große Herausforderungen, weil die Charaktere so unterschiedlich waren. Ich konnte ihnen meinen eigenen „Schliff“ geben und dabei persönliche Höhepunkte finden.

Birgit hat mir dabei immer vertraut und mich sehr unterstützt. Das hat Spaß gemacht – und uns oft auch zum Lachen gebracht.

Gab es in deiner Zeit hier besondere Momente?
Jede Premiere war ein Highlight. Jedes Kind, das uns nach der Aufführung mit strahlenden Augen angesehen, -gejubelt und -geklatscht hat, hat mein Herz berührt.

Auch der Zuspruch der Theaterkollegen, die große Freude, mit der wir aus Birgits Skripten immer wieder ein lebendiges Theaterstück gemacht haben, ist für mich unbezahlbar.

Und ganz konkret: die „Karriere“ vom Räuberhauptmann über den Kerkermeister zum Kaiser, dann der Fall zum Feuermann und zuletzt zum feinen, aber hungrigen und hinterlistigen Storch – das hat schon etwas ganz Besonderes für mich.


Warum verlässt du Berlin und das Ensemble?
Ausschlaggebend ist meine Familie. Seit 2000 lebt meine Schwester – inzwischen mit Mann und Kindern – in Hamburg, und seit 2020 auch meine Eltern und mein Opa.
Der Urlaub ist für diese schöne Hafenstadt, in die ich mich inzwischen verliebt habe, einfach zu kurz.

Ich bedaure den Abschied vom Theater und auch von Berlin, meiner Heimatstadt, etwas. Aber wenn alles klappt – mit Job und Umzug nach Hamburg – bin ich überglücklich und komme gerne immer mal wieder als Gast vorbei.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Wenn ich gut in Hamburg angekommen bin und alles geregelt ist, wünsche ich mir eine schöne Zeit mit meiner Familie – und auch genug Zeit für all meine Hobbys.




Das Märchen vom Kleid der Sehnsucht und dem Spiegel der Wahrheit

Ein neues Märchen von Alexander Schwarz entsteht gerade, hier eine kleine Leseprobe:

"Vielleicht war mein größter Fehler zu glauben, dass Magie allein die Dunkelheit besiegen könnte. Ich hatte versucht, die Herzen der Mächtigen zu reinigen – doch die Fäulnis war längst in ihnen verwurzelt.

Mein Zauber „Claritas Cordis“ – die Klarheit des Herzens – sollte alles, was von Gier berührt wurde, in Wahrheit verwandeln. Doch Wahrheit allein heilt nicht, wenn das Herz nicht bereit ist, sie anzunehmen.

Aus dieser bitteren Erkenntnis erwuchs ein neuer Plan – vorsichtiger, geduldiger. Ich webte den Zauber „Speculum Veritatis“ – den Spiegel der Wahrheit. Denn nur der ist für die Wahrheit bereit, der auch sich selbst erkennt."


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