Bisher viel zu kalt für die kleinen Bestäuber
01.04.26 Bis auf ein paar wärmere Tage zu Beginn des März begeisterte der diesjährige Frühling noch nicht. Wintersachen waren nötig. Wenn sich auch einige Frühblüher ins Licht wagten. Von Insekten weit und breit keine Spur. Das könnte sich am Osterwochenende etwas ändern.
Kein einfacher Neubeginn
Wenn der Winter langsam nachlässt, beginnt für viele Insekten eine besonders sensible Phase ihres Lebens.
Der Frühling ist für sie kein einfacher Neubeginn, sondern ein fein abgestimmter Übergang zwischen Überleben und Aktivität.
Besonders bei Wildbienen und Schmetterlingen hängt dieser Übergang weniger vom Kalender als von den tatsächlichen Umweltbedingungen ab, vor allem von Temperatur und Sonneneinstrahlung.
Günstig erst ab 12 Grad
Wildbienen werden in der Regel erst aktiv, wenn die Temperaturen etwa acht bis zwölf Grad erreichen.
Wirklich günstige Bedingungen entstehen meist erst bei Temperaturen über zwölf bis fünfzehn Grad, insbesondere wenn die Sonne scheint. Die Wärme ist entscheidend, da sie ihre Flugmuskulatur aufheizen müssen, bevor sie fliegen können.
Schmetterlinge reagieren ähnlich, wobei einige Arten, die bereits als fertige Tiere überwintern, schon früher erscheinen.
Zitronenfalter oder Tagpfauenaugen können an milden Tagen bereits bei etwa zehn Grad fliegen und nutzen kurze Wärmephasen im späten Winter oder sehr frühen Frühling.
Zum Schlüpfen brauchts Wärme
Der Zeitpunkt des Schlüpfens hängt stark von der jeweiligen Art ab und davon, in welcher Form sie den Winter überdauert hat.
Viele Wildbienen verbringen den Winter als fertige Insekten in geschützten Kokons, oft in kleinen Hohlräumen oder im Boden.
Sie schlüpfen, sobald sich ihre Umgebung ausreichend erwärmt. Erste Arten sind daher häufig schon im März zu beobachten. Schmetterlinge haben unterschiedliche Strategien entwickelt:
Manche überwintern als Ei, andere als Raupe oder Puppe, wieder andere als fertiger Falter. Diejenigen, die als ausgewachsene Tiere überwintern, sind meist die ersten, die im Frühling wieder aktiv werden.
Fotos: Uta Baranovskyy
In Pflanzenstängeln überwintert
Während der kalten Monate befinden sich diese Insekten in einer Art Kältestarre. Ihr Stoffwechsel ist stark reduziert, sie verbrauchen kaum Energie und sind auf geschützte Orte angewiesen.
Wildbienen nutzen dafür beispielsweise hohle Pflanzenstängel, Holzspalten oder selbst gegrabene Gänge im Boden.
Schmetterlinge verstecken sich oft in Laubhaufen, unter Rinde oder in geschützten Gebäudebereichen. Diese scheinbar unauffälligen Strukturen sind für ihr Überleben entscheidend.
Pollen für die Brut
Mit dem Erwachen im Frühling beginnt sofort die Suche nach Nahrung. Für Wildbienen ist dabei nicht nur der Nektar wichtig, sondern vor allem der Pollen, den sie zur Versorgung ihrer Brut benötigen.
Zu den wichtigsten frühen Nahrungsquellen gehören Weiden, die eine besonders große Bedeutung haben, aber auch Hasel, Erle sowie erste Frühblüher wie Krokusse oder Schneeglöckchen. Schmetterlinge sind vor allem auf Nektar angewiesen und finden diesen in frühen Blüten wie Huflattich, Löwenzahn oder Obstbaumblüten.
Wenn´s zu früh blüht
Ein zunehmend wichtiger und problematischer Aspekt ist das Zusammenspiel von Blühzeit und Insektenaktivität. Durch milde Winter und wechselhafte Temperaturen kann es passieren, dass Pflanzen bereits früh blühen, während es für die Insekten noch zu kalt ist.
In solchen Fällen entsteht eine zeitliche Lücke: Die Blüten sind vorhanden, aber die Bestäuber fehlen.
Gleichzeitig können Insekten, die durch warme Phasen zu früh aktiv werden, bei erneuten Kälteeinbrüchen Schwierigkeiten bekommen, ausreichend Nahrung zu finden.
Diese Verschiebungen zeigen, wie empfindlich das Gleichgewicht zwischen Pflanzen und Insekten ist.
Menschen können helfen
Gerade in städtischen Räumen können Menschen dazu beitragen, dieses Gleichgewicht zu stabilisieren. Schon kleine Veränderungen haben Wirkung.
Das Pflanzen heimischer Frühblüher sorgt dafür, dass ausreichend Nahrung zur richtigen Zeit vorhanden ist. Ebenso wichtig ist es, nicht alles „aufzuräumen“. Laubhaufen, alte Pflanzenstängel oder kleine ungestörte Bodenflächen bieten wertvolle Überwinterungsplätze.
Der Verzicht auf Pestizide schützt die ohnehin empfindlichen Insekten zusätzlich. Auch Blühflächen anstelle von kurz geschnittenem Rasen können über die gesamte Saison hinweg Nahrung bieten und damit die Lebensbedingungen deutlich verbessern.
Eng miteinander verbunden
Der Frühling ist für Insekten somit eine Phase, in der viele Faktoren genau zusammenpassen müssen. Wenige Grad Temperaturunterschied, etwas Sonne oder das Vorhandensein bestimmter Pflanzen entscheiden darüber, ob sie aktiv werden können oder nicht.
In dieser feinen Abstimmung zeigt sich, wie eng Lebenszyklen miteinander verbunden sind – und wie stark selbst kleine Veränderungen in der Umgebung wirken können.